Die angehenden Notfallsanitäter*innen der DRK-Rettungswache Uslar/Bollensen konnten in der Übung Ihre Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen in einem komplexen Einsatzszenario trainieren -mit qualifizierter Begleitung und Feedback durch Praxisanleiter*innen des DRK-Rettungsdienstes. „Fokus der Übung ist insbesondere, die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften der Feuerwehr zu üben“, erläutert DRK-Praxisanleiter Jan Herpolsheimer, der die komplexe Übung sorgfältig geplant hat.
Beim Traumatologie-Skilltraining um 15:00 Uhr auf der DRK-Rettungswache Uslar-Bollensen stand für die Auszubildenden zunächst die strukturierte Versorgung Schwerverletzter im Fokus - beispielsweise Immobilisationstechniken sowie die patientenschonende Rettung aus Fahrzeugen.
Gegen 18.53 Uhr wurde die Feuerwehr Uslar zu einer Technischen Hilfeleistung auf die Kreisstraße 445 zwischen Uslar und Dinkelhausen alarmiert. Die eintreffenden Einsatzkräfte alarmierten unmittelbar den DRK-Rettungsdienst, denn die gemeldeten „auslaufenden Betriebsstoffe“ entpuppten sich vor Ort schnell als komplexeres Szenario mit mehreren Verletzten: Ein Traktor hatte im Kreuzungsbereich einen Pkw seitlich gerammt, der Fahrer eingeklemmt und schwer verletzt sowie ein weiteres Fahrzeug beim Ausweichen in einen Graben geraten - auch hier befand sich eine verletzte Person im Fahrzeug. Zusätzlich waren ein Ersthelfer sowie der Traktorfahrer vor Ort, beide körperlich unverletzt, jedoch psychisch belastet. Durch den Einsatz von Unfalldarstellenden (RUD) entstand eine besonders realitätsgetreue Übungssituation.
Unter Einsatz von schwerem technischen Gerät wurden die eingeklemmten Personen gemeinsam von DRK-Rettungsdienst und Feuerwehr befreit – um die schonende und rasche Bergung zu ermöglichen, mussten zwei Autotüren von der Feuerwehr entfernt werden. Die Rettungsdienst-Auszubildenden betreuten die Patienten während der gesamten Zeit im Fahrzeug.
Die sechs DRK-Auszubildenden, jeweils im ersten bis dritten Lehrjahr, arbeiteten dabei je nach Ausbildungsstand in zwei Teams mit klar verteilten Rollen und Fokus: Einsatzleitung und -Koordination der Maßnahmen, Unterstützung und Führung des Einsatzwagens sowie Kommunikation im Team und mit den Beteiligten. Begleitet wurde die Übung von den Praxisanleitenden Jan Herpolsheimer und Melina Bräuer von der DRK-Rettungswache Northeim, die das Geschehen beobachteten und im Anschluss gemeinsam mit den Auszubildenden auswerteten.
Im Mittelpunkt standen für die Auszubildenden der DRK-Rettungswache Uslar-Bollensen wichtige Lerneffekte: die strukturierte Patientenversorgung nach geltenden Standards, das Priorisieren von Maßnahmen bei komplexen Verletzungsmustern sowie die enge Abstimmung mit der Feuerwehr bei der technischen Rettung. Es wurde deutlich, wie entscheidend klare Kommunikation und Teamarbeit für einen erfolgreichen Einsatz sind – und wie wichtig es ist, diese zu üben: „In der Realität sind die Rettungskräfte in solchen Situationen anfangs mit einem ähnlich unübersichtlichen Szenario konfrontiert“, erläutert Melina Bräuer.
Ergänzt wurde die Übung durch Ehrenamtliche der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV), die sich um die unverletzten Beteiligten kümmerten und für die Auszubildenden anschließend zum Gespräch bereitstanden. „Wir freuen uns sehr über die Kooperation mit der PSNV und die Möglichkeit zum Austausch zu diesem wichtigen Thema - ein wichtiger Baustein in der modernen Einsatzbewältigung, sowohl für die Gesundheit der Betroffenen als auch der Einsatzkräfte“, betont Jan Herpolsheimer.
Die Kombination aus fachlichem Training und realitätsnaher Übung bot den Auszubildenden wertvolle Erfahrungen, um Abläufe zu verinnerlichen und Handlungssicherheit zu stärken – insbesondere auch in Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften und bei Großschadensereignissen.








